TRAUMA - URSACHEN

Die Risiko- und Schutzfaktoren, die mit beeinflussen, ob eine PTBS entsteht und wie schwer sie ist, können schon vor dem Trauma (prätraumatische Faktoren), zum Zeitpunkt des Traumas (peritraumatische Faktoren) oder erst in der Zeit nach dem Trauma (posttraumatische Faktoren) auftreten.

Prätraumatische Faktoren der Posttraumatischen Belastungsstörung

Ungünstige Einflüsse in der Kindheit und Jugend scheinen das Risiko für eine PTBS zu erhöhen. Hierzu gehören häufige Konflikte in der Familie, wenig emotionale Unterstützung durch die Eltern, ein autoritäres Erziehungsverhalten der Eltern und wenig Freundschaften mit Gleichaltrigen. Ebenso erhöhen psychische Erkrankungen der Eltern und frühe Traumatisierungen (zum Beispiel sexueller Missbrauch in der Kindheit) das Risiko einer PTBS. Weitere Risikofaktoren sind ein sehr junges oder höheres Alter zum Zeitpunkt des Traumas, ein geringer Bildungsgrad und bereits bestehende psychische Erkrankungen. Darüber hinaus wird vermutet, dass einige Menschen genetisch bedingt ein erhöhtes Risiko haben, an einer PTBS zu erkranken. Als Schutzfaktoren haben sich dagegen eine gute Beziehung zu den Eltern und ein höherer sozialer und ökonomischer Status herausgestellt.

Jedoch haben Faktoren, die schon vor dem Trauma bestanden haben, einen wesentlich geringeren Einfluss auf die Entwicklung einer PTBS als Faktoren, die das Trauma selbst und die Zeit nach dem Trauma betreffen.

Peritraumatische Faktoren der Posttraumatischen Belastungsstörung

Ein Risikofaktor für die Entwicklung einer PTBS ist das Trauma selbst: Ist das traumatische Ereignis schwer ausgeprägt oder dauert über längere Zeit an, steigt das Risiko für eine PTBS. Außerdem haben Traumata, die von Menschen zugefügt wurden (zum Beispiel Folter, Vergewaltigung) meist schwerere psychische Auswirkungen als Traumata, welche nicht durch menschlichen Einfluss entstehen (zum Beispiel Naturkatastrophen). Darüber hinaus ist das Risiko für eine PTBS erhöht, wenn während des traumatischen Ereignisses Dissoziationen, also Depersonalisationen (das Gefühl, nicht man selbst zu sein) und Derealisationen (ein Gefühl der "Unwirklichkeit"), aufgetreten sind. Günstig wirkt sich hingegen aus, wenn jemand während des Traumas noch einen Handlungsspielraum für sich selbst sieht und wenn es ihm gelingt, sich während der Ereignisse nicht selbst aufzugeben.

Posttraumatische Faktoren der Posttraumatischen Belastungsstörung

Das Risiko für eine PTBS steigt, wenn nach dem Trauma andere belastende Lebensereignisse (zum Beispiel Scheidung, Krankheit) oder weitere Traumata auftreten. Ebenso eine geringe soziale Unterstützung, etwa durch Freunde oder Familienangehörige, kann das Risiko erhöhen. Weiters haben sich Vermeidungsverhalten und dysfunktionale (nicht hilfreiche) Gedanken als ungünstige Faktoren für die Bewältigung eines Traumas herausgestellt. Schutzfaktoren sind hingegen viel soziale Unterstützung, die Anerkennung als Opfer und die Fähigkeit, das traumatische Ereignis einzuordnen und ihm einen Sinn zu geben (Kohärenzsinn). Auch wenn jemand günstige Bewältigungsstrategien besitzt, wirkt sich dies positiv auf die Verarbeitung des Traumas aus. Hierzu gehören ein günstiger Umgang mit Stress, die Fähigkeit, über das Erlebte zu sprechen, die Bereitschaft, bei Problemen Unterstützung zu suchen und die Überzeugung, dass es Möglichkeiten gibt, Probleme im Leben zu lösen.

Modelle zur Entstehung der Posttraumatischen Belastungsstörung

Modell der Gedächtnisveränderungen
Studien deuten darauf hin, dass es nach einem Trauma zu einer Fehlfunktion des Hippocampus kommt - einer Hirnregion, die für Erinnerung und Gedächtnis zuständig ist. Hierdurch werden verschiedene Sinneseindrücke, die mit dem Trauma zusammenhängen, nicht geordnet, sondern als einzelne "Gedächtnisbruchstücke" gespeichert. Das sind vor allem bildhafte Eindrücke, jedoch auch Geräusche oder Gerüche. Man nimmt an, dass das Trauma deshalb nicht erfolgreich verarbeitet und in die übrigen Lebenserinnerungen eingeordnet werden kann. Bei einem Flashback werden dann lediglich Bruchstücke der Erinnerung in Form von intensiven Bildern oder Geräuschen abgerufen.- Neurobiologische Veränderungen

Bei traumatisierten Patienten lässt sich eine erhöhte Aktivität des hormonellen Stress-Systems und ein erniedrigter Spiegel des Stresshormons Cortisol feststellen. Die Betroffenen stehen praktisch laufend unter Stress, was zu Symptomen wie Schlafstörungen, ständig erhöhter Erregung oder starker Schreckhaftigkeit führen kann.

 

Lerntheoretische Erklärungen

Das Zwei-Faktoren-Modell von Mowrer geht davon aus, dass die traumatisierten Erlebnisse zunächst mit neutralen Reizen assoziiert werden. Beispielsweise werden nach einer Vergewaltigung Dunkelheit, eine leere Straße oder ein bestimmter Geruch mit dem Ereignis in Verbindung gebracht. Um ihre Angst zu verringern, vermeiden die Betroffenen Reize und Situationen, welche sie mit dem Trauma verbinden. Dies führt allerdings dazu, dass die Angst und die Symptome der PTBS langfristig aufrechterhalten werden.

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