PSYCHOSOMATIK - URSACHEN

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle psychosomatischer Erkrankungen.

Konversionsmodell (S. Freud)

Unbewusste Konflikte werden dem Bewusstsein durch Verdrängung fern gehalten und stellen sich dann im Körperlichen wieder dar. Das körperliche Symptom bekommt dadurch einen individuellen Ausdrucks- und Symbolcharakter (sog. Konversionsstörungen). Beispiel: Ein Manager entwickelt eine Schwindelsymptomatik nach einem unerwarteten Karrieresprung, ihm ist "schwindlig von der verstärkten Verantwortung". Betroffen sind in erster Linie die Willkürmotorik (z.B. psychogene Lähmungen) und die Sinnesorgane (z.B. psychogene Blindheit). Während S. Freud davon ausging, dass Konversionsstörungen lediglich in der ödipalen Situation auftreten, zeigte sich klinisch, dass sie bei unterschiedlichen Dispositionen (z.B. narzissische Störungen) und Ereignissen (Trauma) auftreten können.

 

De-Resomatisierung (M. Schnur)

Der normale Entwicklungsvorgang des Menschen wird in diesem Zusammenhang als zunehmende Desomatisierung beschrieben. An die Stelle körperlicher Reaktionsformen treten die Denk- und Phantasietätigkeit sowie die Ausbildung von Ich-Funktionen. Durch Belastungssituationen kann ein Rückfall in frühkindliche Verhaltensmuster (Regression) eingeleitet werden. Hierbei werden dann jene Organe "ausgewählt", die in der Biographie des Patienten besonders vulnerabel waren (Bereitstellungsreaktion).

Psychosomatische Erkrankungen entstehen dadurch, dass eine neurotische Ersatzbildung ohne körperliches Symptom in einer ersten Phase nicht mehr ausreicht und stattdessen in einer zweiten Phase körperliche Symptome zur Konfliktbewältigung mit herangezogen werden.

 

Spezifitätsthese (F. Alexander)

Zwischen physiologischen Vorgängen einerseits und psychischen Konflikten andererseits besteht ein spezifischer Zusammenhang. Im Mittelpunkt steht das Affektsystem, das im Körperlichen wie im Psychischen seinen Niederschlag findet. Somit können "orale" Bedürfnisse in ein Magengeschwür, "anale" Wünsche in eine Obstipation oder der Ambivalenzkonflikt von Autonomie und Abhängigkeit in eine asthmatoide Reaktion führen.

 

Theorie nach G. L. Engel und A. G. Schmale

Der Grundgedanke dieser Theorie lautet, dass der Ort der Symptomwahl und der Zeitpunkt des Auftretens durch die individuelle Lerngeschichte bestimmt werden (z.B. Atmung), während die körperliche Symptomatik selbst (Dyspnoe, Spastik) nach rein naturwissenschaftlichen, pathophysiologischen Gesichtspunkten abläuft. Das Gefühl von Hilflosigkeit / Hoffnungslosigkeit hat bei Ausbruch der Symptomatik eine entscheidende Bedeutung ("given-up-giving-up").

 

Alexithymie (P. Marty et al.)

Man spricht von einem "emotionalen Analphabetentum" oder der "psychosomatischen Struktur". Sie beinhaltet die Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken, ein stereotypes mechanisches Denken und Phantasiearmut. Dazu kommen ein symbiotisches Abhängigkeitsverhältnis und hohe soziale Angepasstheit. Dieses Konzept diente dazu, die typische Charakerstruktur von Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen zu beschreiben.

 

Lerntheorie (M. Seligman)

Zahlreiche körperliche Vorgänge (vom Erbrechen bis zur Immunsuppression) lassen sich durch Lernvorgänge konditionieren und hiermit erklären. Fehlgeleitete Lern- und Konditionierungsvorgänge stellen hierbei die Grundlage für Verhaltensmodifikationen dar (erlernte Hilflosigkeit, Verstärkerverlust). Das bedeutet, früher als nicht beeinflussbar erlebte Faktoren werden auch in der aktuellen Situation als übermächtig und unkorrigierbar erlebt und münden in einen Circulus vitiosus.

 

Stresstheorie (H. Selye)

Stresssituationen (körperliche, psychische und Umgebungsfaktoren) führen zu einer Störung des inneren Gleichgewichts (Homöostase), die schließlich in ein Adaptionssyndrom mündet. Am Anfang steht hierbei eine Alarmreaktion (Sympathikusaktivität). Es folgen eine Widerstands- und schließlich eine Erschöpfungsphase, die zu psychosomatischen Erkrankungen führt.

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