BURNOUT - KRANKHEITSVERLAUF

Der Krankheitsverlauf von Personen, die von Burnout betroffen sind, ist individuell sehr unterschiedlich. So gibt es kein eindeutiges Merkmal, an welchem man den Begriff des Burnouts festmachen kann.

Burnout betrifft vor allem die Seele, jedoch auch den Körper

In den häufigsten Fällen entwickelt sich ein Burnout-Syndrom über einen längeren Zeitraum hinweg.

Eine frühe Diagnose von Burnout erhöht die Heilungschancen !

Phasentheorien zum Verlauf des Burnout-Syndroms

Burnout-Forscher haben verschiedene Phasenmodelle entwickelt, welche das Burnout-Syndrom in mehrere, meist aufeinanderfolgende Stadien unterteilen. Sehr bekannt wurde unter anderen auch die Theorie zum Verlauf des Burnout-Syndroms von Freudenberger (Burnout-Phasen). Seine Theorie basierte allerdings auf Intuition und Erfahrung und nicht auf empirischer Forschung. Inzwischen gibt es aktuellere Theorien, die den Verlauf der Krankheit beschreiben. Das folgende Modell stützt sich auf den Experten Prof. Matthias Burisch und gliedert sich in 7 Phasen:

 

Phase 1: Überhöhter Energieeinsatz

Noch vor wenigen Jahren ist man davon ausgegangen, dass dem Burnout-Syndrom ausnahmslos eine Phase idealistischen Überengagements und das sogenannte "Brennen" vorausgehen. Inzwischen wird angenommen, dass "Brennen" und Idealismus keine notwendigen Voraussetzungen für einen Burnout sind. Jedoch zeigt sich in allen Fällen ein überhöhter Energieeinsatz. Dieser kann seinen Ursprung tatsächlich im Idealismus haben, aber auch aus reiner Verzweiflung erwachsen, um beispielsweise seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Ein häufiges Warnsignal ist, dass die Betroffenen nach der Arbeit nicht mehr abschalten können und keine Erholung mehr erleben.

In dieser Phase wird das drohende Burnout allerdings nur selten erkannt. Erst wenn die erhoffte Belohnung, beispielsweise in Form von beruflichem Aufstieg oder Anerkennung, dauerhaft hinter den Erwartungen zurückbleibt, dann beginnt die Ausbrennphase - das Burnout-Syndrom.

Auf die (Selbst-)Überforderung folgen oft Erschöpfung, Irritation und Frustration. Die enorme seelisch Belastung geht auch am Körper nicht spurlos vorbei. So können psychosomatische Beschwerden, etwa Kopf- und Magenschmerzen oder Schlafstörungen auf das Burnout-Syndrom hindeuten.

 

Phase 2: Reduziertes Engagement

Typisch für Burnout ist starke Frustration. Die Betroffenen sind über den Sinn ihrer Tätigkeit völlig desillusioniert oder müssen hinnehmen, dass sie die gesteckten Ziele nicht erreichen. Ihr Idealismus schwindet. Als Reaktion darauf reduzieren Menschen mit beginnendem Burnout ihr Engagement und stumpfen emotional ab.

Sie haben über längere Zeit zu viel investiert, jetzt möchten sie vor allem etwas zurückbekommen. Sie fangen an, ihre Ansprüche stark nach oben zu schrauben. Häufig fühlen sie sich nun ausgebeutet und nicht ausreichend wertgeschätzt.

Gleichzeitig begeben sich viele Menschen mit Burnout-Syndrom in die sogenannte innere Kündigung - ein Zustand, in dem sie nur noch das Allernotwendigste erledigen. Der Widerwille gegen die Arbeit wächst, sie fehlen häufiger und reduzieren ihre Arbeitszeit durch längere Pausen. Einige Betroffene blühen in der Freizeit auf, andere hingegen sind auch dann antriebslos und gleichgültig.

Wer unter Burnout leidet, geht auf Distanz zu seiner Umwelt. Positive Gefühle für Geschäftspartner, Kunden, Klienten und sogar Angehörige schwinden. Die Fähigkeit zum Mitgefühl und zur Anteilnahme an Anderen (Empathie) nimmt immer mehr ab, im Umgang mit anderen machen sich emotionale Kälte und Zynismus breit.

 

Phase 3: Emotionale Reaktionen: Depressionen, Aggressionen, Schuldzuweisungen

Angesichts der Desillusionierung und Frustration suchen Burnout-Betroffene einen Schuldigen für ihre Misere. Das können sie selbst sein, jedoch auch andere.

Sieht der Betroffene die Ursachen seiner Probleme in erster Linie bei sich selbst, kann sich bald eine Depression entwickeln. Er fühlt sich unfähig, ohmächtig, hilflos und schätzt sich selbst als Versager ein. Sein Selbstwertgefühl geht zurück. Es kommt zu typischen Symptomen einer Depression, beispielsweise einem Gefühl innerer Leere, Pessimismus, Nervosität, Angst, Ohnmacht und Niedergeschlagenheit.

Andere Betroffene hingegen suchen die Schuld bei Kollegen, Vorgesetzten oder "dem System" und sie reagieren mit Aggressionen. Typisch ist, dass sie ihren eigenen Anteil an den Problemen meist nicht erkennen. Sie sind launisch und ungeduldig. Sie geraten oft in Konflikte mit anderen, sind intolerant, chronisch gereizt und fühlen sich schnell angegriffen. Ihre Wut richtet sich gegen Vorgesetzte und Kollegen, Familienmitglieder und Freunde.

 

Phase 4: Abbau, schwindende Leistungsfähigkeit

Die psychische Erschöpfung und laufende Anspannung des Burnout-Syndroms fordern ihren Tribut. Ausgebrannte Personen machen häufiger Flüchtigkeitsfehler und vergessen Termine. Die Kreativität schwindet, komplexe Aufgaben können nicht mehr bewältigt werden und Entscheidungen fallen schwer. Motivation, Produktivität und Initiative werden rückläufig. Im Berufsleben verrichten Menschen mit Burnout oft nur noch "Dienst nach Vorschrift".

Auch das Denken verändert sich. Burnout-Betroffene denken meist in Schwarz-Weiß-Kategorien. Sie lehnen Veränderungen jeder Art strikt ab, weil der Bruch mit der Routine Energie erfordern würde und mit Anstrengungen verbunden wäre.

 

Phase 5: Verflachung, Desinteresse

Die schwindende Leistungsfähigkeit hat auch einen emotionalen Rückzug zur Folge. Betroffene reagieren zunehmend gleichgültig. Sie fühlen sich meist gelangweilt, geben Hobbys auf und ziehen sich von Freunden und Familie zurück: Burnout macht einsam.

 

Phase 6: Psychosomatische Reaktionen

Die Symptome des Burnout-Syndroms werden von Beginn an von psychosomatischen Symptomen begleitet. Hierzu gehören unter anderem Muskelverspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen, erhöhter Blutdruck, Herzklopfen und Engegefühle in der Brust, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden, sexuelle Probleme, aber auch Schlafstörungen und Albträume.

 

Phase 7: Verzweiflung

Das terminale Burnout-Stadium lässt sich als ein Gefühl der existenziellen Verzweiflung beschreiben. Das zeitweilige Ohnmachtsgefühl ist zur generellen Hoffnungslosigkeit ausgewachsen. Die Betroffenen fühlen sich völlig allein, ihr Leben erscheint ihnen sinnlos, Suizidgedanken kommen häufiger und werden zum Teil auch umgesetzt.

Burnout Krankheitsverlauf

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